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Gerd Gleich
Alles begann
1971. Ein Freund, Bruder eines
Freiwilligen Feuerwehrmannes, nahm Gerd
Gleich mit zum Löschzug Dormagen. Gerd
und drei weiteren Schulkameraden traten
am 16. März 1971 in die Jugendfeuerwehr
ein. Nach 40 Jahren ehrenamtlicher
Tätigkeit für die Freiwillige Feuerwehr
Dormagen ist Gerd Gleich der einzige der
vier Schüler, der noch seinen
Feuerwehrdienst versieht. Dass er zum
Ehrenamtler des Jahres 2011 nominiert
ist, freut ihn schon, aber: „Ich sehe
mich stellvertretend für die 252
ehrenamtlichen Feuerwehrleute.“ Wer Gerd
Gleich kennt, der weiß, dass
Bescheidenheit und Kollegialität ein
fester Wesenszug bei ihm ist. Er setzt
sich seit 40 Jahren für die Kolleginnen
und Kollegen ein. Zunächst als
Mannschaftssprecher und Beisitzer im
Löschzug. Dann als Gruppen- und
Zugführer, später als stellvertretender
Löschzugführer, als Löschzugführer
zuletzt als Mitarbeiter in der
Stabsarbeit der Feuerwehr. Seit Oktober
2009 ist er stellvertretender
Wehrleiter. Damit ist er nach der
Wehrleiterin und Berufsfeuerwehrfrau
Sabine Voss der „zweite Mann“ der
Dormagener Feuerwehr.
Seine
Aufgabe sieht er heute noch genauso
engagiert wie vor 40 Jahren:
„Ehrenamtliches Engagement ist in allen
Bereich wichtig. Doch die Feuerwehr
unterscheidet sich von allen anderen
ehrenamtlichen Kräften in Vereinen und
Rettungsdiensten dadurch, dass sie eine
Pflichtaufgabe der Stadt Dormagen
wahrnimmt. Ohne uns freiwillige
Feuerwehrleute könnte die Stadt diese
Aufgabe gar nicht erfüllen“, sagt
Gleich.
In den 40
Jahren seiner Tätigkeit hat sich Vieles
verändert: „1971 hatten wir noch eine
ganz andere Struktur. Dann kam die
kommunale Neugliederung 1975. Sie ist
bei uns Feuerwehrleuten reibungsloser
als in anderen Bereichen verlaufen.“
Doch nicht nur die organisatorischen
Rahmenbedingungen haben sich geändert.
„Heute hat die Technik eine viel größere
Bedeutung. Das beginnt mit stufenlos
geregelten Strahlrohren“, erklärt
Gleich, „als ich begann, mussten wir den
Wasserdruck noch an einem Handrad
einstellen.“
Die
Brandeinsätze sind gegenüber den
Hilfeleistungen immer weiter in den
Hintergrund getreten. Rettung von
Menschenleben bei Verkehrsunfällen ist
ein Hauptgebiet der Tätigkeiten
geworden. Dennoch sind zwei
Brandeinsätze bei Gerd Gleich in
besonderer Erinnerung geblieben. „Wir
hatten zwei Einsätze im Raphaelshaus.
Beim ersten Einsatz brannte das
Hauptgebäude. Wir löschten vom Dach und
waren nachher noch viel länger damit
beschäftigt, unser Löschwasser aus den
tiefer gelegenen Etagen zu entsorgen.
Jahre später brannte ein Nebengebäude im
Raphaelshaus. Wir dachten, der Brand sei
gelöscht, doch dann zündeten die
Brandgase durch und der Nachbrand war
heftiger als der ursprüngliche.“
Doch auch an
viele freudige Stunden erinnert er sich.
Nach der kommunalen Neugliederung gab es
in Dormagen ein großes
Feuerwehrverbandsfest, ein zweites zum
25jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr
1990. Als damaliger Löschzugführer ist
ihm das 100jährige Jubiläum des
Löschzugs Mitte 2004 ganz besonders im
Gedächtnis.
Eine kurze
Zeit hat Gerd Gleich sein ehrenamtliches
Engagement in der Feuerwehr reduziert.
Damals starb sein einziger Sohn. Doch
als die Kollegen ihn baten, die Aufgabe
des stellvertretenden Wehrführers zu
übernehmen, war er wieder zur Stelle.
„Klar war mir, dass das zeitaufwändig
wird. Die Tätigkeit ist jedoch noch
intensiver, als ich dachte. Zu 90 Tagen
Einsatzdienst mit 24 Stunden kommen noch
meine gesamten Einsätze im Löschzug
Mitte. Dann stehen Dienstbesprechungen
und die Repräsentation der Feuerwehr
nach innen und außen an.“ Interne
Probleme in den Löschzügen löst Gerd
Gleich gerne. Über 20 Jahre ist er
Mitglied im Personalrat der Stadt
Dormagen und seit fast 10 Jahren
stellvertretender Vorsitzender dieser
Einrichtung. Hier hat er gelernt, mit
Konfliktsituationen umzugehen und
Menschen zu helfen.
Bleibt bei
so viel Ehrenamt noch Zeit für Anderes?
Zunächst kommt da ein weiteres Ehrenamt
bei der Feuerwehr: Gerd Gleich ist
Vorsitzender des Fördervereins. Und dann
findet er zumindestens zu den
Heimspielen seines Lieblingsvereins
Schalke 04 noch die Zeit ins Stadion zu
fahren. Natürlich ist er auch
Vorsitzender des Fanclubs „Dormagener
Knappen“. 7 Jahre lang war er
Bezirksleiter im Fanclubverband.
Apropos
Fußball: „Ernsthaft verletzt habe ich
mich bei der Feuerwehr nur ein Mal. Bei
einem Fußballturnier der Freiwilligen
Feuerwehr in Rommerskirchen holte ich
mir einen kompletten Kreuzbandabriss,
der mich bis heute quält.“ Fit hält er
sich dabei durch Fahrradfahren im
Dormagener Stadtgebiet.
Auf die
Zukunft der Feuerwehr angesprochen
beklagt Gerd Gleich den Nachwuchsmangel:
„Der demografische Wandel trifft auch
uns. Dazu kommt, dass viele Arbeitgeber
heute ihren Mitarbeitern für den
Feuerwehrdienst weniger gerne frei
geben. Die Ausbildung ist zudem sehr
viel intensiver geworden und viele junge
Feuerwehrleute können die Zeit nicht
mehr aufbringen, da sie oft gleichzeitig
in der Berufsausbildung stehen.“
Besorgt
blickt er auch auf die Umstellung der
Bundeswehr: „Bisher sind junge Männer
statt zur Bundeswehr zur Feuerwehr
gegangen. Das wird zukünftig wegfallen.“
Ein gravierendes Problem ist in seinen
Augen zudem der Sparzwang der Stadt.
„Mangelnde Ausrüstung und beschränkte
räumliche Unterbringung behindern das
ehrenamtliche Engagement.“ Doch
insgesamt sieht er die Zukunft positiv.
„Die Kinderfeuerwehr ist eine gute
Sache, wenn auch der Übergang zur
Jugendfeuerwehr nicht einfach ist.“ Die
Überlegungen zu einer Rente für
ehrenamtliche Feuerwehrleute findet er
persönlich gut, schränkt aber ein, dass
dieser Gedanke von vielen Kollegen nicht
angenommen wird.
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